Am 03.01.2019 hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) einen Referentenentwurf zur Reform des Psychotherapeutengesetzes und damit der Psychotherapeutenausbildung veröffentlicht. Im Folgenden sollen die wichtigsten Veränderungen und Informationen kurz dargestellt werden.

Worum geht es?

Seit Jahren wird die Reform des Psychotherapeutengesetzes und damit die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten (PPT) und zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP) in der seit 1999 gültigen Fassung intensiv diskutiert. Eine Direktausbildung in Form eines „Psychotherapie-Studiums“ mit Approbation und anschließender Fachweiterbildung entsprechend des medizinischen Modells waren früh favorisiert – vom Berufsstand ebenso wie vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Im November 2014 hat sich der Berufsstand auf dem 25. Deutschen Psychotherapeutentag für eine Reform des PsychThG mit dem Ziel der Direktausbildung und anschließender Fachkunde-Weiterbildung ausgesprochen.

Was ändert sich?

Auf die bisherige postgraduale Ausbildungsstruktur wird zugunsten eines Direktstudiums verzichtet, an das sich eine Fachkunde-Weiterbildung zum Fachpsychotherapeuten für Erwachsene bzw. Kinder und Jugendliche anschließt. Die Ausbildung mit Erhalt der Approbation findet also nicht mehr nach, sondern im Rahmen des Studiums statt; der Erhalt der Fachkunde wird – ähnlich wie bei den Ärzten – anschließend nach Abschluss einer mehrjährigen Weiterbildung erfolgen.

Wann wird sich was ändern (Zeitplan, Fristen, Übergangsregelungen)?

  • Nach Abschluss des weiteren Gesetzgebungsverfahrens ist ein Inkrafttreten des Gesetzes zum 01. September 2020 geplant.
  • Entsprechend wird das derzeit gültige PsychThG am 31. August 2020 außer Kraft treten.
  • Die Verkündung des Gesetzes soll zum 01. Januar 2020 erfolgen.
  • Die Approbationsordnung in neuer Fassung soll zum 01. Januar 2020 vorliegen.
  • Übergangsregelungen: Es ist eine Übergangszeit für das derzeit gültige Ausbildungsmodell von 12 Jahren ab Inkrafttreten des neuen Gesetzes vorgesehen.

Ich habe Psychologie, Pädagogik oder Sozialpädagogik studiert – wie lange kann ich noch die Ausbildung zum PPT bzw. KJP absolvieren?

  • Wer ein Studium der Psychologie, Pädagogik oder Sozialpädagogik vor Inkrafttreten des neuen Gesetzes (demnach: bis spätestens Frühjahr 2020) beginnt oder zum aktuellen Zeitpunkt bereits begonnen hat, kann dieses abschließen und muss anschließend die Ausbildung zum PPT oder KJP in der derzeit geltenden Fassung des PsychThG („altes Modell“) absolvieren.
  • Personen, die die Ausbildung zum Beruf des PPT bzw. KJP bereits begonnen haben bzw. planen, diese in den nächsten Jahren zu beginnen, müssen diese bis spätestens 12 Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes (also voraussichtlich 31.08.2032) erfolgreich abschließen. Eine Ausbildungsdauer von 4-5 Jahren angenommen heißt dies, dass bis 2027, spätestens 2028 die Ausbildung begonnen werden sollte – und dann in Vollzeit absolviert werden muss.

Wo werde ich die Ausbildung nach „altem Modell“ absolvieren können?

  • Die Ausbildungsstätten, die nach aktueller Fassung des PsychThG (§ 6) staatlich anerkannt sind, gelten weiterhin als staatlich anerkannt. Sie können bis Ablauf der Übergangszeit (s. o.) Ausbildungen zum Beruf der Psychologischen Psychotherapeuten oder der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten durchführen.
  • Um dies gewährleisten und finanzieren zu können, gilt für die Ambulanzen der Ausbildungsinstitute, die derzeit bereits ambulante Versorgungsleistungen zu Lasten der Krankenkassen erbringen, Bestandsschutz. Sie dürfen also auch weiterhin (bis 2032) Ausbildungstherapien mit den Krankenkassen abrechnen.

Das müssen Sie wissen, wenn Sie erst nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes mit dem Studium beginnen werden:

  • Nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes, also voraussichtlich ab Herbst 2020, muss ein Studium nach neuem Modell – also ein Studium der „Psychotherapie“ – begonnen werden, um später als Psychotherapeut tätig werden zu können. Ggf. werden Möglichkeiten eines Quereinstiegs in den Masterstudiengang geschaffen. Es muss in jedem Fall ein Masterstudium „Psychotherapie“ nachgewiesen werden – inkl. Abschluss mit Approbation.
  • Anschließend kann eine vertiefende Weiterbildung absolviert werden. Verantwortlich für die Weiterbildungsordnung sind die Landespsychotherapeutenkammern. Erste Überlegungen zur Weiterbildung sehen gesamt fünf Jahre vor; mit einem stationären und einem ambulanten Teil.
  • Mit Abschluss der Weiterbildung wird die Fachkunde mit Alters- und Verfahrensbezug erhalten, die zur Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung berechtigt.

Für weitere und aktuelle Informationen empfehlen wir z. B. die Seiten der Bundespsychotherapeutenkammer (www.bptk.de) oder der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung (www.dptv.de). Auch die Landespsychotherapeutenkammern werden regelmäßig über aktuelle Veränderungen im Reformprozess informieren.
Das Gesundheitsministerium informiert auf seiner Webseite auch über die Reform: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/psychotherapeutenausbildung.html

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